Je höher das Roß, desto tiefer der Sturz

Zyniker der ich bin, kann ich den mit den jüngsten Skandalen einhergehenden Verlust an moralischer Macht und Überheblichkeit der Kirche(n) nicht komplett schlecht finden.

So zeigt der Skandal mit Macht und Deutlichkeit vor allem eins, nämlich daß die Kirche keine moralisch überlegene Organisation ist, sei sie nun evangelisch oder katholisch.  Nun gut, stockbesoffen autofahrende Bischöfinnen haben natürlich noch eine andere Qualität als kindervergewaltigende Priester. Die eine hat zwar den Tod von Menschen sehenden Auges in Kauf genommen, was ethisch auch nicht eben einfach zu entschuldigen ist. Die anderen aber haben sich nicht nur eines potentiellen Verbrechens schuldig gemacht, im Gegenteil. Trotzdem bin ich absolut sicher, daß es auch in evangelischen Institutionen einiges an Leichen im Keller zu entdecken gibt: schließlich betreibt nicht nur die katholische Kirche Kindergärten und Internate.

Wer sich auf ein hohes Roß setzt, riskiert vor allem eines: den tiefen Sturz. Denn einerseits den eigenen Gläubigen alles Mögliche abzuverlangen, gleichzeitig aber andererseits bei jeder Verfehlung der eigenen Exekutive immer die "ist halt menschlich"-Karte zu ziehen, funktioniert auf Dauer eben nicht. Die moralische Überlegenheitsposition ist unwiderruflich dahin. So leid mir die Opfer tun, so klar war es immer schon, daß es solche Fälle gibt, und die nun stattfindende Selbst-Demontage insbesondere des Arroganz-Apparats "römisch-katholische Kirche" (wenngleich auch die evangelische Kirche 'Kollateralschäden' erleiden dürfte) inklusive hilflosen Fingerzeigens ("die anderen sind doch nicht besser!") amüsiert mich, wenn auch auf eher bittere Weise.

Denn die katholische Kirche hat noch nicht verstanden, daß ihr nicht zum Vorwurf gemacht wird, schlimmer als der Rest der Menschheit zu sein-- sondern einzig, daß sie von jeher und immer gelogen haben, sie seien besser. Jeder Kirchenaustritt ist eine Ohrfeige für kirchliche Arroganz. Wer dogmatisch "Gehorsam" fordert, sich in vielen Themen in "Darum!"-Manier jeglichem Diskurs verweigert und den Menschen in ihren Nöten vor allem ihre eigene sündige Unwertigkeit erklärt, hat es schlicht nicht besser verdient.

Einen ehrlichen Versuch, sinngebende Antworten auf aktuelle Lebensfragen zu geben, die nicht einfach entweder in totaler Ignoranz oder totaler Verweigerung bestehen, habe ich insbesondere aus der in ihrer hierarischen Struktur komplett verknöcherten römisch-katholische Kirche auch schon lange nicht mehr erlebt.

Kommentare

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Wobei man sagen muss das die

Wobei man sagen muss das die evangelische Bischöfin erstaunliche Konsequenz gezeigt hat die manchen Politiker auch gut zu Gesicht stehen würde. Insofern hat sie zwar gefehlt aber sich moralisch retten können mit "Immerhin habe ich die Konsequenz gezogen!"

Zur aktuellen Skandalserie in der katholischen Kirche, sei es Amerika, Irland oder nun auch Deutschland kann man wenig sagen außer das Erstaunen das es so lange mit dem Schweigen geklappt hat.