Springers erkaltete Liebe für schwarz-gelb

Irgendwie scheint bei den Konservativen mächtig der Haussegen schiefzuhängen. Und damit meine ich nicht den Dauerzoff in der schwelben Bundeskoalition. Die ist ja weiterhin dabei, mit Hingabe Porzellan zu zerschlagen – vermutlich, weil dann nach der unvermeidlichen Scheidung weniger aufzuteilen ist – aber das ist ja hinlänglich bekannt. Nein, ich meine eine gar nicht mal so subtile Änderung der Zeitung mit den großen Buchstaben in ihrer Haltung zum konservativen Lager.

„Bild“ und ihr Verlag liefern sich traditionell leidenschaftliche Kämpfe mit Studenten und Politikern aus dem ganzen linken Lager. Sei es der Kampf gegen die Benennung einer Straße nach Rudi Dutschke oder die Diffamierung von Grünen-Politikern mit frisierten Fotos – bisher war sich das Blatt zu nichts zu schade, solange es nur Stimmung „gegen links“ machen konnte.

Aber was ist nun los? Erst titelt „Bild“ beim Thema Bundespräsidentenwahl mit dem Aufmacher „Yes, we Gauck“, berichtet sogar über Internet-Aktionen von Gauck-Fans. Und das geplante Bündnis der NRW-SPD mit den dortigen Grünen, um mit einer Minderheiten-Regierung Jürgen Rüttgers zu stürzen, wird als „Kraft-Pakt“ bezeichnet. Selbst die Aussicht, daß sich Hannelore Krafts Regierung wird von der NRW-Linken tolerieren lassen müssen, schreckt den Springer-Verlag nicht mehr.

Also, noch mal zum Mitschreiben:

  1. SPD
  2. Grüne
  3. Minderheiten-Regierung
  4. Tolerierung durch die Linkspartei

wären normalerweise aus dem Stand heraus vier Punkte, bei denen bei Springer die Messer gewetzt würden. Ich hätte so manchen Aufmacher für die heutige Freitags-Ausgabe erwartet, aber nichts hat mich auf den Anblick heute morgen auf der Theke beim örtlichen Bäcker vorbereitet:

„Polit-Hammer! Kraft machts mit den Grünen – Minderheitsregierung für NRW“

Man kann sich anscheinend wirklich auf nichts mehr verlassen in diesem Land.