Warum ich weder iPhone noch Facebook habe

Ich bekomme immer wieder in meinem Bekanntenkreis Nachfragen, ob ich „bei Facebook” sei, ein MySpace-Profil unterhalte oder ähnliches. Ich antworte dann üblicherweise mit einem Verweis auf Permafrost in Lucifers Behausung als frühestem Datum.

Ein aktueller Fall belegt eindrucksvoll das Problem, das ich mit solchen „sozialen Netzen” habe. Diese leben ja nun einmal davon, daß sie Beziehungsgeflechte zwischen Menschen abbilden und analysieren. Das ist prinzipiell bereits Teil der Privatsphäre, und die Informationen, die aus Analyse alleine von Einträgen und Kontakten bei Facebook und MySpace gewonnen werden können, sind insbesondere für die Nutzer dieser Seiten häufig genug nicht überschaubar.

Facebook schwimmt (natürlich) auf der aktuellen „App”-Welle mit, die Apple mit seinem iPhone losgetreten hat. Das iPhone ist zwar kein echtes Smartphone (so „smart” ist es schlicht nicht), und ungeheuer teuer ist es noch dazu, aber es ist schick und halt von Apple. Und es gibt Apps! Jede Menge kleiner Programme, mit denen man die Funktionalität des Telefons vergrößern kann, zu haben exklusiv im virtuellen Kramladen des Herstellers mit dem angebissenen Apfel-Logo. Aber über die Zensur, die Apple effektiv durch seine rigide Kontrolle des „App Store” mitunter ausübt, geht es mir gerade nicht. Kommen wir also zurück zu Facebook.

Facebook bietet also die heutzutage unvermeidliche Facebook-iPhone-App an. Soweit, so langweilig. Was neu ist, ist die Tatsache, daß Facebook eine Funktion eingebaut hat, um Kontakte zwischen dem Telefon und dem Facebook-Account zu "synchronisieren". Wer die schwammige Erklärung weggeklickt hat, daß nun Inhalte des Telefonbuchs zu Facebook übertragen werden, sieht später überrascht, daß wirklich alles dort gelandet ist. Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern. Benutzt werden die Informationen vom Betreiber, wie könnte es anders sein, zur Analyse von Beziehungsgeflechten. Also zum Beispiel dazu, den Nutzer auf andere Mitglieder hinzuweisen, bei denen die Existenz der Telefonnummer im Adressbuch darauf hindeutet, daß er sie vermutlich kennt. Unschöne Nebeneffekte sind natürlich nicht auszuschließen („Oh, du bist ja doch bei Facebook! Hattest doch nicht letzte Woche noch behauptet, du hättest keinen Account?”).

Nicht einmal eine Löschfunktion gab es zunächst. So landeten also auch Telefonnummern Hunderter Personen in den Fängen der Datenkrake, die dort selbst gar kein Konto besitzen, von denen sich Facebook also auch niemals eine Erlaubnis zur Datenspeicherung geholt hat. Das Verhalten ist seit Jahresbeginn so implementiert und auch beinahe von Anfang an bekannt geworden. Beschwerden der Nutzer bzw. Aufforderungen, doch bitteschön zumindest eine Löschmöglichkeit zur Verfügung zu stellen, wurden über Monate vom Betreiber ignoriert.

Der Spiegel bemerkte im Mai süffisant, daß die Nutzer von Facebook trotz des gern wiederholten Versprechens des Betreibers, der Nutzer habe stets die volle Kontrolle über den Dienst und seine Daten, anscheinend nicht einmal Kontrolle über ihr Telefonbuch ausüben könnten.

Wiederum einige Wochen später hat nun der Datenschutzbeauftragte von Hamburg (dort hat die deutsche Facebook-Tochter ihren Sitz) ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Derweil wurde anscheinend zumindest eine Löschfunktion für die geklauten Daten eingebaut – was den Hamburger Datenschützer Caspar allerdings ziemlich kalt läßt. Es steht zu hoffen, daß Facebook ein empfindliches Bußgeld bezahlen muß. Sollte Caspar in seiner Rechtsauffassung übrigens Recht behalten, daß nicht die deutsche Tochter, sondern direkt der Mutterkonzern zu belangen ist, könnte sogar noch weiterer Ärger drohen: denn dann könnte jedes Bundesland ein eigenes Verfahren starten, und es wird wirklich teuer.

Wenn mich also das nächste Mal jemand fragt, „bist du bei Facebook”, werde ich ihn oder sie also weiter vollkommen entgeistert ansehen („natürlich nicht”). Und auf die Frage „hast du ein iPhone” gibt es damit auch die passende Replik: „Bist du irre? Hunderte Euro ausgeben für ein überteuertes Mode-Accessoire, das mir obendrein noch meine privaten Daten klaut?”

Kommentare

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Wie kannst du nur so unhipp

Wie kannst du nur so unhipp sein und rückwärtsgewandt, die wollen doch nur dein bestes und dich mit vielen tollen Freunden in Kontakt bringen.... ;)

Ja DAS war ironisch gemeint!

Ich habe einen Minimalaccount bei denen um mit bestimmten Leuten eine Kontaktstelle zu haben und war letztens erstaunt als beim anmelden ich die Pop-up-Mitteilung bekam "Wir haben festgestellt das du folgende Filmserien magst, teil das deinen Freunden mit" und dazu nur ein OK Button.
Und es geht nur mit einem Trick das Teil dann zu umgehen.