Ungemütliche Zeiten für die Krake?

Facebook bekommt anscheinend nicht nur in Deutschland gerade massig Ärger. Auch in Kanada brauen sich schwarze Wolken zusammen, und diese versprechen noch weit mehr potentielles Ungemach als der Hamburger Datenschützer.

So berichtet der „Spiegel”, daß in Kanada gerade eine Sammelklage gegen den Marktführer bei den sogenannten „Social Networking”-Diensten eingereicht wurde. Diese hat es in sich. Sie basiert auf den jüngsten Änderungen der Nutzungsbedingungen, die Facebook als Verbesserungen in puncto Privatsphäre verkauft hatte, da sie den Nutzern eine feinere Kontrolle darüber ermöglichen sollten, wer welche Teile ihrer Facebook-Daten zu sehen bekommt.

Nicht nur US-Datenschützer wie die Electronic Frontier Foundation witterten ein Danaisches Geschenk, nutzte Facebook doch die Änderungen, um bei einer ganzen Reihe persönlicher Details die Einstellungen standardmäßig auf "öffentlich" zu setzen, die vorher stets privat waren. Mit anderen Worten: alle Nutzer, die nach den Änderungen der Nutzungsbedingungen nicht sofort in den entsprechenden Einstellungsbereich gegangen waren, um alles auf „aus” zu setzen, gaben nun mitunter deutlich mehr von sich preis als vorher.

Genau bei diesem Vorgehen setzt nun die kanadische Klage an. Sie wirft Facebook nämlich vor, zumindest grob fahrlässig (wenn nicht gar absichtlich) die Nutzungsbedingungen in einer Weise geändert zu haben, die Nutzer zum ungewollten Daten-Striptease veranlaßt haben. Die Kläger verlangen unter anderem Schadensersatz in Höhe der Gewinne, die Facebook durch diese widerrechtliche Nutzung der persönlichen Daten seiner Nutzer erwirtschaftet hat. Insgesamt sieht die Klage, so sie denn durchkommt, für Facebook potentiell überaus teuer aus.

Aber seien wir einmal ehrlich. Das Verhalten von Facebook ist nicht von der Hand zu weisen. Erst kürzlich wurden weitere geplante Änderungen der Datenschutzbedingungen bekannt, welche Facebook die Möglichkeit geben würden, quasi beliebig Nutzerdaten an andere Webseiten weiterzugeben – deutsche Verbraucherschutzverbände reagierten entsetzt.

Das Grundproblem ist aber letztlich natürlich ein anderes: die Menschen machen sich schlicht keine Gedanken darüber, was mit ihren Daten geschieht, wie erst kürzlich wieder eine Umfrage unter amerikanischen Jugendlichen ergeben hat. Und der Gründer von Facebook, Mark Zuckerberg, findet die Idee des Datenschutzes ja sowieso überholt. (Okay, gerüchteweise hat er auch in der Vergangenheit die Nutzer seines Dienstes als dumme Idioten bezeichnet, weil sie ihm ihre Daten anvertrauen.) Daß unsere Verbraucherschutz-Ministerin vor vier Wochen demonstrativ ankündigte, ihr Konto stillzulegen, ist daher eine zwar löbliche, aber nutzlose symbolische Aktion. (Mal abgesehen davon, daß ihr Konto bisher immer noch zu existieren scheint...)