Schlangenöl auf Rezept

Manchmal arbeiten CxU und SPD auch außerhalb großer Koalitionen zusammen. Ist zwar selten, aber kommt vor. In einem dieser seltenen Beispiele könnte es vielleicht in Kürze dazu kommen, daß homöopathische Behandlungen nicht mehr von den Krankenkassen bezahlt werden. Karl Lauterbach von der SPD und Jens Spahn von der CDU fordern jedenfalls genau dies.

Die Kassen wettern dagegen, sprechen von „funktionierendem Wettbewerb“. Denn einige Kassen zahlen für Homöopathie, andere nicht. Das Argument mit dem Wettbewerb würde ja ziehen, wenn denn homöopathische Behandlung ausschließlich in Form von Zusatz- und Wahltarifen bezahlt würde. Was aber nicht der Fall ist, Stichwort: integrierte Versorgung.

Aufgrund des Gesundheitsfonds konkurrieren die Kassen bisher eben nicht gegeneinander, und so muß über den Fonds so manche Kasse, die mit spitzerer Feder rechnet, die esoterischen Geschenke anderer Kassen an ihre Versicherten gegenfinanzieren, und das ist, Verzeihung: asozial. Mit Solidarität hat das jedenfalls in etwa genauso viel zu tun wie mit „Wettbewerb“.

Jetzt wird (natürlich) wild gezankt. Ausgerechnet die Pharmaindustrie spricht von Gleichgültigkeit gegenüber den Patienten, und einige der politischen Kontrahenden verwechseln im Eifer des Gefechts auch mal gerne „alternative Behandlungsmethoden“ (wozu die Homöopathie zweifelsohne zählt) mit „Naturheil-Verfahren“ (was Homöopathie nicht ist). Diese Verwechslung passiert übrigens recht häufig, gegen Kräuter-Präparate habe ich aber eigentlich nichts – sofern denn die Wirksamkeit nachgewiesen ist.

Und genau da liegt das Problem. In puncto „echter“ Homöopathie führt die „Zeit“ denn auch ein ganz einfaches und bestechendes, nicht wegzuwischendes Argument an, das im politischen Streit bisher aber faszinierenderweise kaum Beachtung gefunden hat: die Wirksamkeit von homöopathischen Behandlungen konnte bisher nicht bewiesen werden, trotz unzähliger Studien. Auch wenn es naturwissenschaftlich letztlich unmöglich ist, eine Wirksamkeit zweifelsfrei zu widerlegen, spricht das Fehlen jeglicher belastbarer positiver Belege doch eher dafür, daß Homöopathie nichts anderes ist als Schlangenöl (natürlich stark verdünnt). Das gibt es allerdings auch nicht auf Kosten der Allgemeinheit.

Es existiert im Übrigen keine glaubwürdige, naturwissenschaftlichen Standards genügende Erklärung dafür, warum eine verdünnte Lösung mit im Mittel einem einzelnen Wirkstoffmolekül in der gesamten Flasche überhaupt eine andere medizinische Wirkung entwickeln soll als Wasser und Placebo-Effekt. Daß Placebo manchmal funktioniert, ist zwar gesichert. Aber der Effekt ist begrenzt und unbeständig, basiert er letztlich ja nur darauf, daß der Patient an seine Heilung glaubt. Obwohl: in dem Sinne könnte man auch darüber nachdenken, in Zukunft Exorzismen von der Krankenkasse bezahlen zu lassen. Die Erklärung körperlicher und seelischer Leiden durch den Einfluß des Lichtbringers ist jedenfalls nicht weniger hanebüchen, und die aktuelle Administration im Vatikan hätte bestimmt ein offenes Ohr...

Kommentare

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Wirkung wirkt

Ob homöopatische Mittel tatsächlich im wissenschaftlichen Sinn wirken oder nicht ist irrelevant für die Kostenrechnung.

Herkömmliche auf Chemie bsierende Medikamente haben, wie durch zahlreiche naturwissenschaftliche Studien erwiesen wurde, nur eine effektive Heilwirkung von etwa 50%, weitere 30% sind Nebenwirkungen und 20% Placebo. Bei Patienten die von der Wirksamkeit des Medikamentes überzeugt sind, oder deren Metabolismus gut auf das Medikament anspricht verbessert sich die positive Wirkung selbstverständlich etwas.
Bei Patienten die der chemischen Medizin skeptisch gegenüberstehen verschlechtert sich die Wirkung jedoch massiv, da sie die chemie im Medikament psychologisch ablehnen und der Köper dadurch gegenreagiert. Dies ist z.B. bei mir der Fall, wodurch herkömmliche Medikamente bei mir sehr schlecht wirken.
Auch gängige Medikamente wie Kopfschmerztabletten haben keine gute wirkungen, jeder weiß von sich selber, ob er besser auf Aspirin, Paracetamol oder Ibuprofen anspricht, und wer auf Ibuprofen anspricht muss es deswegen noch lange nicht vertragen. Chemische Medikamente haben also durchaus handfeste medizinisch unerwünschte Wirkungen.

Homöopatische Mittel haben, ganz klar, keine eindeutige nachgewiesene Wirkung, demgegenüber steht aber eine ebenfalls nicht nachweisbare Nebenwirkung. Es stellt sich die Frage, ob nicht alternative Methoden und "Medikamente" zugelassen sein sollten als mögliche Therapie? Warum sollte man auf eine Methode verzichten die keine Nebenwirkungen hat? Denn die Kosten für ein homöopatisches Medikament sind deutlich geringer als die für ein chemisches Äquivalent.

Die homöopatische Medizin heilt ja nicht nur mit ihren seltsamen Kügelchen. Die homöopatischen Ärzte nehmen sich viel mehr Zeit für die Patienten, hören ihnen im Schnitt 1 Stunde zu (ein Hausarzt bringt es pro Patient auf 5 Minuten). Bei diesen langen Gesprächen wird viel über den Patienen herausgefunden, seine Lebenssituation besprochen und eventuell Lebens- und Essgewohnheiten positiv verändert, was oftmals zu einer Verbesserung der Symptome führt, wenn nicht gar zu deren Verschwinden. Die billigen Globuli erledigen dann den Rest druch Placebo effekte.
Nichts desto trotz haben sich die Kassen oftmals eine mehrjährige Ärzterennerei und überteuerte langzeit Medikamentengabe erspart.
Unterm Strich sind Globuli schlicht billiger. Und Geld sparen an einem Patienten der sogar noch bekommt was er will UND geheilt wird...das nenn ich sozial....