Neusprech auf Niedersächsisch

Man hat seit ihrer Amtseinführung von Niedersachsens Familienministerin Özkan ja eigentlich nicht mehr viel gehört. Doch es wäre ja nicht gerade Sommerloch, wenn sich nicht auch die etwas weniger bedeutenden Politiker des Landes mit teils ziemlich skurrilen Ideen in der Presse meldeten.

Nachdem seinerzeit unser aktueller Bundespräsidenten-Versuch quasi als Coup eine muslimische Ministerin mit türkischen Wurzeln in die CDU-geführte Regierung Niedersachsens holte, war die Sensation perfekt. Als diese noch dazu ihren Amtseid schwor, so wahr ihr „Gott helfe”, waren nur die christlichen Kirchen ob Özkans für ihren Geschmack zu integrativen Gottesbilds verstimmt, sonst war die Presse voll des Lobes für Frau Özkan. Das dürfte sich jetzt allerdings ändern.

Denn Frau Özkan hat die niedersächsischen Medien aufgefordert, folgende „Charta” zu unterzeichnen:

„Der demografische Wandel verändert auch Niedersachsen: Wir werden weniger, älter und vielfältiger. Dadurch ergeben sich neue, veränderte Zielgruppen für die Medien in unserem Land. Bereits 16 Prozent der niedersächsischen Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund. Das wirkt sich auch auf die Medienlandschaft aus. Die Vertreter der niedersächsischen Medien betonen die Aufgabe, den Integrationsprozess in Niedersachsen zu unterstützen. Sie übernehmen die damit verbundene Verantwortung und erklären:

  • in ihrer Berichterstattung über Sachverhalte und Herausforderungen der Integration zu berichten und zu informieren,
  • eine kultursensible Sprache anzuwenden,
  • die interkulturelle Öffnung zu fördern,
  • die interkulturelle Kompetenz zu verstärken,
  • Projekte hierfür zu initiieren und zu begleiten.

Hannover, den 16. August 2010”

Über dieses Ansinnen ist die Presse (nicht nur in Niedersachsen) alles andere als amüsiert. Denn diese Selbstverpflichtung beinhaltet ja, je nachdem wie man sie liest, auch das Versprechen wohlfeiler Berichterstattung über politische Projekte der Landesregierung.

Besonders groß allerdings ist der Zorn über die „kultursensible” Sprache: die Medien mögen also nach dem Willen der Ministerin ihre Ausdrucksweise besonders weichspülen, sobald es um Integration geht. Es wird von manchen Stimmen eh schon gerne bemängelt, daß hierzulande viel zu sehr auf „politisch korrekte” Ausdrucksweise geachtet werde. Eine deart unverhohlene Aufforderung, sich quasi freiwillig einen Maulkorb überzustreifen, ist allerdings tatsächlich ein Affront.

Vermutlich meinte Frau Özkan das Ganze tatsächlich nur gut. Es sagt aber einiges über ihre Einstellung zur Pressefreiheit aus. Meiner Meinung nach allerdings weniger in ihrer Eigenschaft als Muslima denn als Mitglied der CDU...

Nachtrag: angeblich war das jetzt natürlich alles nicht so gemeint...